Informationen für Ärzte
Startseite
StartseiteInformationen für Ärzte > Neueste Leitlinien
 

Neueste Leitlinien

Neue Richtlinien zur Kardiopulmonalen Reanimation (ERC 2005)
Die neuen unter dem Dach des International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) konsensual erarbeiteten Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation (CPR) wurden vom European Resuscitation Council (ERC) am 29.11.2005 veröffentlicht. Es wurde erneut das gesamte medizinische Wissen über sämtliche Aspekte der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) und der cerebralen Reanimation zugrunde gelegt, um möglichst nur Evidenz-gesicherte Ergebnisse als Grundlage der Empfehlungen heranzuziehen.
Leitgedanke bei den novellierten Empfehlungen ist die Erkenntnis, dass der durch Thoraxkompressionen aufgebaute passive Notkreislauf möglichst kontinuierlich aufrechterhalten wird. Dazu soll die Feststellung des Kreislaufstillstands möglichst schnell durch Feststellung der Bewußtlosigkeit erfolgen. Die Pulkontrolle durch Laienhelfern entfällt gänzlich. Von medizinischem Fachpersonal wird sie durchgeführt, wenn diese Maßnahme beherrscht wird.
Basismaßnahmen:
Die Wiederbelebung startet mit 30 Thoraxkompressionen erst dann wird 2mal beatmet. Die Mund-zu-Mund-Atemspende erfolgt über 1 Sekunde je Beatmung, wobei sich der Thorax des Patienten sichtbar heben muss (500-600 ml Atemzugvolumen). Das 30:2-Verhältnis von Kompressionen zu Beatmungen wird immer beibehalten. Ein Zyklus dauert 2 min (5x 30:2=100 Kompressionen/min).
Erweiterte Maßnahmen:
Bei den erweiterten Maßnahmen erfolgt bei Kammerflimmern oder -tachykardie (pulsloser Rhythmus) nur noch ein Defibrillations-Schock von 150-200 Joule (biphasisch) oder 360 Joule (monophasisch). Anschließend wird ohne erneute Rhythmusanalyse 2 min (= 5x 30:2) reanimiert. Dann erfolgt erneut eine EKG-Rhythmusanalyse. Bei Fortbestehen eines EKG-Rhythmus mit Defibrillations-Indikation wird erneut nur 1x defibrilliert (biphasisch: 200-360 oder monophasisch: 360 J). Besteht der Arrest bei Beginn der erweiterten Maßnahmen über 5 min dann erfolgt zuerst für 2 min Thoraxkompression und Beatmung.
Bei der Asystolie erfolgt die erweiterte Reanimation in gleicher Weise, es entfallen die Defibrillationen. Nach erfolgter Sicherung der Atemwege (Intubation) werden die Thoraxkompressionen kontinuierlich durchgeführt und 8-10x /min mit Sauerstoff beatmet.
Medikamente:
Adrenalin (1mg i.v.) alle 3-5 min wird wie bisher als Vasopressor für alle Rhythmen empfohlen. Alternative Applikationstechniken sind:
Intraossärer Zugang (Dosis unverändert),
Endotrachealer Zugang (Dosissteigerung auf 3 mg in 10ml Aqua).
Amiodaron: 300 mg Bolus, sofort wenn der 3. Schock keinen Erfolg bringt. Ggf. mit 150 mg wiederholen, gefolgt von einer Dauerinfusion von 900mg/24h.
Lidocain (1 mg/kg KG) weiterhin als Alternative, wenn kein Amiodaron verfügbar ist.
Atropin: Trotz fehlender Evidenz sollen bei Asystolie und pulsloser elektrischer Aktivität mit HF < 60 min-1 3 mg Atropin iv. gegeben werden.
Fibrinolyse ist empfohlen bei CPR bei (vermuteter) Lungenembolie und zu erwägen bei erfolgloser CPR bei thrombotischer Ursache (Infarkt).
Intensivtherapie nach erfolgreicher Reanimation:
Keine Temperaturerhöhung >37°C in den ersten 72 Stunden. Blutzucker 80-110 mg%. Therapeutische Milde Hypothermie nach Herzstillstand wird weiterhin für alle Formen und Orte des Kreislaufstillstands empfohlen (über 24h: 33±1°) unter Analgosedierung und Relaxation, Erwärmung nach 24h langsam (0,25-0,5°C/h).